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«Basel verfügt über alle Voraussetzungen, um ein erfolgreiches Unternehmen zu beherbergen»

11.06.2018

Die Ärztin und Pharmakologin Nicole Onetto ist seit 2017 Mitglied des Verwaltungsrats der Basilea Pharmaceutica AG. Im Interview, das im Geschäftsbericht von Basilea erschien, sprach sie über Herausforderungen in der Onkologie.

In der Langzeitbehandlung von Krebspatienten wurden grosse Fortschritte erzielt. Was waren für Sie als Onkologie-Expertin die wichtigsten Entwicklungen?

Nicole Onetto: Wir sind Zeuge spektakulärer Resultate im Hinblick auf das langfristige Überleben von Patienten in einer ganzen Reihe von Indikationen, für die es vor nicht einmal zehn Jahren überhaupt keine neuen Behandlungsoptionen gab. Und für viele andere Krebsarten, für die bisher nur konventionelle Behandlungsoptionen wie Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie zur Verfügung standen, profitieren wir heute von neuen Erkenntnissen über die molekularen Grundlagen von Krebs, dank derer wir in der Lage sind, die Behandlung individuell auf den jeweiligen Patienten abzustimmen. Dies hat die Entwicklung und Anwendung zielgerichteter Therapien erleichtert, die gegenüber traditionellen Behandlungsmethoden sowohl wirksamer als auch weniger toxisch sind. Und schliesslich ist es in den letzten Jahren gelungen, das Potenzial des Immunsystems zu nutzen, um neue Therapieansätze zu entwickeln, die unsere eigene Immunabwehr gegen das Krebswachstum mobilisieren.

Welche weiteren grossen Fortschritte in der Behandlung erwarten sie kurz- bis langfristig?

Die Entwicklung neuer Immuntherapien für die Behandlung von Krebspatienten wird immer wichtiger. Diese neuen Formen müssen ihren Platz im Patientenmanagement erst noch finden, auch im Hinblick auf Kombinationen mit eher traditionellen Behandlungsformen. Auch muss die Wirtschaftlichkeit dieser innovativen Therapien bewertet werden. Ein weiteres sehr wichtiges Thema ist die Frage, wie man die Toxizität der Behandlung verringern und eine Überbehandlung vermeiden kann.

Wie können Unternehmen in der klinischen Entwicklung erfolgreich sein?

Mit einem stärker personalisierten Ansatz für die Krebstherapie ergeben sich neue Möglichkeiten für die Entwicklung von Medikamenten mit hoher Wirksamkeit in klar definierten Patientenpopulationen. Weiterhin gilt jedoch, dass die Entwicklung neuer Medikamente Geduld, Ausdauer und wissenschaftliche Exaktheit erfordert. Bei der Behandlung von Krebspatienten sind trotz grosser Fortschritte noch viele Herausforderungen zu bewältigen. Unter anderem stellt die Arzneimittelresistenz eine grosse Hürde dar und steht unverändert im Fokus von Basilea. Für Patienten mit resistenten Erkrankungen gab es vor nicht allzu langer Zeit nur die Option, auf ein neues Medikament zu wechseln, oft eine neue Chemotherapie. Inzwischen haben wir mehr Einblicke in die Mechanismen der Resistenzentwicklung gewonnen. Darüber hinaus suchen Forscher auf der ganzen Welt nach den besten Wegen, um Behandlungsresistenzen zu vermeiden. Kooperationen zwischen Hochschulen und der Privatwirtschaft, beispielsweise mit Unternehmen wie Basilea, sind ein weiterer wichtiger Faktor für die Entwicklung neuer innovativer Medikamente zum Wohle der Patienten.

Womit liesse sich das unterstützen?

Die Verwendung von Biomarkern, um die Wahl der bestmöglichen Behandlungsoption zu erleichtern und die Patienten mit der höchsten Wahrscheinlichkeit eines Ansprechens auf die Behandlung auszuwählen, wird die Entwicklung neuer Krebsmedikamente weiterhin stark beeinflussen. Biomarker-Daten sind der Schlüssel für das Design von Entwicklungsplänen und für Go/No-Go-Entscheidungen. Diese Daten fliessen heute häufig in das Zulassungsverfahren und die nachfolgende Vermarktung neuer Medikamente ein. Dieser Ansatz zur Auswahl neuer Wirkstoffe, der auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert, ist einer der wichtigsten Fortschritte, die zurzeit den Forschungs- und Entwicklungsprozess sowie die Methodik klinischer Studien transformieren.

Sehen sie Vorteile für Basilea, die sich aus dem Standort in Basel, einem bekannten internationalen Zentrum der Life-Sciences-Industrie, ergeben?

Basel verfügt über alle Voraussetzungen, um ein erfolgreiches Unternehmen zu beherbergen: eine lebendige Forschungsgemeinschaft, einen international anerkannten Ruf als Pharmastandort, einen Pool von talentierten Mitarbeitern und eine starke und stabile Wirtschaft. Basel ist eines der führenden Life Sciences-Zentren; ich sehe Gemeinsamkeiten zwischen Basel und den wenigen anderen etablierten Biotechnologiezentren in Europa und Nordamerika. Die Stadt verfügt über eine exzellente Universität und ist Standort etablierter grosser Pharmafirmen sowie vieler Start-ups und innovativer Unternehmen. Dieses vorteilhafte Umfeld hat Basilea bereits geholfen, ein starkes Unternehmen aufzubauen und sollte auch die erfolgreiche weitere Entwicklung unterstützen. Ich freue mich daher sehr, von den Aktionären von Basilea in den Verwaltungsrat gewählt worden zu sein und freue mich darauf, eine aktive Rolle in der Basler Biotech-Gemeinschaft zu spielen.

About

Dr. Nicole Onetto was elected as a member of the Board of Directors in April 2017. The French and Canadian citizen holds an MD as well as a Master’s Degree of Pharmacology. She is an oncology specialist with a successful career in the pharmaceutical industry in the U.S., Canada and Belgium. Most recently, she was Deputy Director and Chief Scientific Officer at the Ontario Institute for Cancer Research. She currently serves as an independent consultant.

Short version of the interview by courtesy of Basilea Pharmaceutica. For the full interview, please see the annual report.

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