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Die Schweiz braucht Zugang zu Horizon Europe

06.04.2022

Der Wohlstand der Region Basel Area hängt stark von der Innovationskraft ab. Deshalb ist für Forschende aus Industrie und Hochschulen sowie für Gründerinnen und Gründer der Zugang zum Forschungsprogramm Horizon Europe zentral. Die Politik ist gefordert, rasch Lösungen zu finden.

Domenico Scala President Basel Area Business & Innovation

Der Standort Basel Area gehört zu den innovativsten Wirtschaftsregionen der Schweiz und sticht besonders in den Life Sciences heraus: Einige der grössten pharmazeutischen Unternehmen weltweit haben ihren europäischen Sitz in unserer Region, zudem haben Roche und Novartis ihre globalen Hauptsitze in Basel. Zwei Drittel der gesamten Pharmawertschöpfung des Landes – 24,5 Milliarden Franken – werden in der Region Basel erwirtschaftet.

«Diese hohe Produktivität und der Wohlstand in der Basel Area sind nur durch Innovation zu halten», sagt Domenico Scala, Präsident von Basel Area Business & Innovation. Und Innovation sei ohne Forschung nicht zu haben. Daher macht sich seine Organisation dafür stark, dass Schweizer Forschende und Startups sich vollumfänglich an den europäischen Rahmenprogrammen für Forschung und Innovation beteiligen können und durch EU-Programme wie Horizon Europe finanziert werden.

Volle Beteiligung an europäischen Forschungsprogrammen gefordert

Der eingeschränkte Zugang zu den finanziellen Mitteln ist das eine, doch Probleme entstehen auch, weil in der Schweiz ansässige Forschende in ihrer Funktion eingeschränkt sind. Sie können beispielsweise keine Projekte leiten.

«Innovation ist ein Produkt von Vernetzung und von Interaktion mit anderen Forschenden und Institutionen. Deswegen unterstützen wir die Forderung der Handelskammer beider Basel, dass sich die Schweiz und die Region vollumfänglich am Programm Horizon Europe und an den Forschungsmitteln und Forschungsprojekten beteiligen kann», sagt Domenico Scala.

«Die Situation führt bereits zu Schwierigkeiten für Forschungseinrichtungen und Startups», weiss Christof Klöpper, CEO von Basel Area Business & Innovation. «Es ist zentral, dass die Schweiz Wege findet, wie man international wieder zusammenarbeiten kann und wie es dafür Forschungsmittel gibt.»

Auch die Handelskammer beider Basel befürchtet einen Nachteil für den Standort, wenn die Politik keinen Weg findet, die Schweiz an den europäischen Forschungsprogrammen zu beteiligen. «Ohne Zugang zu den begehrten Grants des European Research Councils wird es für die Universität Basel schwieriger, internationale Top-Talente nach Basel zu holen. Zum Teil versuchen ausländische Universitäten bereits, Schweizer Forscher abzuwerben», ergänzt Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel.

Zwar hat der Bundesrat Übergangsmassnahmen verabschiedet. So übernimmt das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) die Finanzierung von Schweizer Projektpartnern. Doch Elisabeth Schneider-Schneiter, Präsidentin der Handelskammer beider Basel, meint dazu: «Es gibt leider keinen vollwertigen Ersatz für Horizon Europe. Kooperationen mit anderen Staaten oder finanzielle Ausgleichmassnahmen sind zwar wichtig, können den Verlust von Horizon Europe jedoch keineswegs wettmachen. Deshalb ist es entscheidend, dass der Bundesrat den bilateralen Weg weiterführt und rasch eine Lösung mit der Europäischen Union findet. Gerade in herausfordernden Zeiten wie diesen erträgt es keine Experimente – wir müssen gemeinsam Lösungen erarbeiten.»

Übergangsregelung darf nur eine kurzfristige Lösung sein

Auch Forschende wie Philippe Cattin fordern die volle Assoziierung. Für den Leiter des Departement of Biomedical Engineering der Universität Basel ist klar: «Die Ausweichmechanismen, die die Schweiz implementiert hat, können nur eine kurzfristige Lösung sein.»

Weitere Forschende, Einzelpersonen und Organisationen haben sich im Rahmen der Kampagne «Stick to Science» für eine offene und inklusive europäische Forschungsregion ausgesprochen. Ziel ist es, sowohl die Schweiz als auch Grossbritannien bei Horizon Europe voll zu assoziieren. Innosuisse, die Schweizerische Agentur für Innovationsförderung, unterstützt diese Aktion.

Unter den Einschränkungen leiden auch Startups und KMU, die bisher Projektgelder des European Innovation Council Accelerator (EIC) beantragen konnten. Gemäss Annalise Eggimann, CEO von Innosuisse, seien diese EIC-Fördergelder besonders wichtig für hochinnovative Startups, deren Projekte bisher durch das EIC direkt finanziert wurden und die so ihr Wachstum beschleunigen konnten. Um diese Lücke zu füllen, hat Innosuisse am 1. April die Ausschreibung für den hochkompetitiven Swiss Accelerator lanciert. Bereits am 10. Mai ist die Deadline für den ersten Schritt zur Bewerbung.

«Das Förderprogramm ermöglicht die direkte finanzielle Förderung von Einzelprojekten wie bei den europäischen EIC Accelerator Grants. Die Bedingungen sind für Schweizer Startups und KMU sehr ähnlich», sagt Annalise Eggimann. Doch auch Eggimann äussert Bedenken über die Zukunft des Forschungs- und Entwicklungsstandorts Schweiz: «Die hervorragenden Schweizer Hochschulen bilden einen zentralen Pfeiler für die Innovationskraft in der Schweiz. Die Gefahr besteht, dass die heute exzellente internationale Einbettung grossen Schaden erleidet.»

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