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Willemin-Macodel: Innovation in der DNA

Oraganization | 07 Mai 2018

Auch in einer Zeit, wo Industrie 4.0 in den Alltag der Fachverlage, KMU und Industriebetriebe Einzug hält, gibt es Unternehmen, für die der Faktor Mensch und dessen Kompetenzen für den Fortbestand ihres Angebots von zentraler Bedeutung sind. Interview mit Olivier Haegeli, Co-Direktor der Willemin-Macodel SA im jurassischen Delsberg.

Olivier Haegeli, Willemin-Macodel

Die Willemin-Macodel AG ist aus der Geschichte von zwei Partnerunternehmen entstanden. Können Sie uns mehr darüber erzählen?

Olivier Haegeli: Im Jahr 1974 gründete mein Vater Blaise Haegeli die Firma Macodel SA (das Anagramm von Machine-outil Delémont) in Delsberg, deren Zweck die Vermarktung von Maschinen und Geräten für die Uhrenindustrie war. Die Firma brachte mit ihrer ersten Fräsmaschine die erste Maschine zum Kopieren von komplexen Formen für die Uhrenindustrie auf den Markt. Ein Jahr später kam es zu einer Partnerschaft mit der Firma Willemin Machines SA, die parallel dazu ihre Werkzeugmaschinen entwickelte und produzierte. Die Marke Willemin wurde danach in unseren Firmennamen integriert. Die beiden Unternehmen entwickelten sich gemeinsam weiter und erst im Jahr 2003 führte die Übernahme des Partnerunternehmens zum Zusammenschluss unserer jeweiligen Geschäftsbereiche.

In welchem Bereich ist die Willemin-Macodel SA tätig?

Unsere Firma ist im Bereich der Präzisionswerkzeugmaschinen tätig. Wir liefern unseren Kunden eine komplette Bearbeitungslösung aufgrund eines Chargenhefts. Wir sind eher Lösungsintegratoren als Maschinenverkäufer. Zu diesem Zweck entwickeln wir seit 40 Jahren die innovativsten Maschinen, Lösungen und Dienstleistungen. Unsere Lösungen werden immer flexibler, dynamischer, stabiler und produktiver. Dank unserem breiten Angebot hat der Kunde einen einzigen Ansprechpartner. Ob für eine Bedarfsanalyse zur Konstruktion einer Bearbeitungszelle oder für Kundendienstfragen zur Gesamtheit ihrer Komponenten, wir bieten einen individuellen Service.

Wie viele Mitarbeitende zählt die Willemin-Macodel SA?

Zurzeit zählt das Unternehmen am Standort Delsberg 250 Mitarbeitende und etwa 20 Lernende. Rund 30 % der Lernenden engagieren sich an unserer Seite im Unternehmen. Sie sind die Zukunft unserer Branche, und es ist wichtig, auf die Kompetenzen unserer Teams zählen zu können. In unseren internationalen Tochtergesellschaften (USA, Deutschland, Italien, Russland, Indien, China) arbeiten für uns über 60 Mitarbeitende.

Sie leiten das Familienunternehmen zusammen mit Ihrem Bruder. Wie sind Sie in das Familienunternehmen gekommen und wann haben Sie die Geschäftsleitung übernommen?

Nach meinem Studium als Betriebsökonom in Neuenburg arbeitete ich zuerst in einer Beratungsfirma, dann während drei Jahren in einer Uhrenfirma. 2003 bin ich ins Familienunternehmen eingestiegen, um meinen Vater zu unterstützen und das Metier an seiner Seite kennenzulernen. Verschiedene unvorhergesehene Ereignisse wie namentlich die Übernahme von Willemin Machines stellten die Planung auf den Kopf. Ich musste in kürzester Zeit alle Geschäftsbereiche des Unternehmens kennenlernen, auch die Produktion. Im Endeffekt war es nicht nur eine spannende, sondern auch eine lehrreiche Herausforderung.
2011 übernahmen mein Bruder und ich offiziell die Geschäftsleitung. Meine Tätigkeiten sind aufgeteilt zwischen Administration, Produktion und Kundendienst. Mein Bruder Patrick Haegeli kümmert sich um das technische Büro, den Verkauf und das Marketing. Natürlich ist auch unser Vater, welcher immer noch aktiv ist, in die Geschicke des Unternehmens involviert. Er ist unser Präsident und vor allem ein erfahrener Berater.

Welches sind Ihre täglichen Herausforderungen bei der Erhaltung und Weiterentwicklung Ihrer Geschäftstätigkeiten?

Ich sehe drei Schwerpunkte: die Fachkompetenz der Arbeitskräfte sicherstellen, neue Produkte entwickeln und neue Absatzmärkte finden. Die Herausforderungen, die sich stellen, werden mit internen Leuten angegangen. Man muss auf seine eigenen Ressourcen und Arbeitskräfte zählen. Mit Mitarbeitenden, die über hohe Kompetenzen verfügen und sich freiwillig engagieren, erzielt man die besten Ergebnisse.

Wie haben Sie Ihr Unternehmen auf Innovationskurs gebracht?

Innovation ist Teil der DNA unseres Unternehmens. In unserem technischen Büro (TB) haben wir nicht nur viele verschiedene Fachkompetenzen vereint, sondern auch analytische Kompetenzen. Wir haben sogar einen Fortschritts-/Grundlagenforschungspool integriert.

Welches waren in den letzten 10 Jahren die grössten Innovationen in Ihrer Branche und in Ihrem Unternehmen?

In unserer Branche geht es eigentlich nicht um grosse oder bahnbrechende Innovationen. Es geht vielmehr um allmähliche Verbesserungen im Zeitverlauf und um die Perfektionierung der Produkte zur Lösung von Kundenproblemen. Beim Verständnis der Funktionsweise der Maschinen haben wir in den letzten 10 Jahren grosse Fortschritte gemacht. In unserem Unternehmen beschäftigen wir beispielsweise auch Mathematiker. Solche wissenschaftliche Beiträge sind notwendig, um die leistungsfähigsten Strukturen zu analysieren, zu verstehen und weiterzuentwickeln oder um an Algorithmen für unsere Produkte oder Applikationen zu arbeiten.

Welches sind Ihrer Meinung nach die nächsten Innovationen in der Branche?

Ich denke, es gibt einen Trend zur Miniaturisierung, sprich zur Herstellung von immer kleineren Serien. Ebenso denke ich, dass der Einbezug alternativer Technologien wie der 3D-Druck in Zukunft unerlässlich sein wird. Es gilt zu prüfen, auf welche Weise diese Technologien komplementär eingesetzt werden können.

Wo wir gerade von Komplementarität sprechen. In den letzten Jahren haben Sie mit Hochschulen mehrere innovative Projekte realisiert. Aus welchen Gründen haben Sie sich für diese Kooperationen entschieden?

Tatsächlich haben wir uns an die He-Arc Ingénierie, die ETH Lausanne und an andere Institute gewandt, um mit ihnen zusammenzuarbeiten. Es ist eine Möglichkeit, einen Teil der Forschung auszulagern, verschiedene technologische Ressourcen und Mittel zu beschaffen, eine andere Sichtweise zu zeigen sowie Verbindungen und Austauschzonen zu schaffen. Manche längerfristige Projekte können durch Initiativen wie die KTI beziehungsweise InnoSuisse auch Finanzierungsmöglichkeiten finden.

Ist diese Art von Kooperation für das Überleben der traditionellen KMU Ihrer Meinung nach unerlässlich?

Ich würde sagen, sie ist unerlässlich für Unternehmen, die sich am Markt behaupten wollen. Solche Beziehungen und Netzwerke sind notwendig, um sich nicht zu isolieren.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in 3 Jahren?

Seit unserem Umzug nach Delsberg im Jahr 2009 haben sich unsere Tätigkeiten mit der Integrierung verschiedener Geschäftsbereiche stark weiterentwickelt. Auf kurze Sicht haben wir eine Vergrösserung unseres Firmengebäudes geplant. Dies ist aber nur der sichtbare Teil des Eisbergs.

Interview: Franziska Zenger, Creapole

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