“Das Interesse am Standort Basel Area ist deutlich gestiegen”

In der Basel Area gewinnt die digitale Gesundheit weiter an Bedeutung. Gleichzeitig erschliessen sich viele Produktionsbetriebe mit der Digitalisierung neue Märkte. Das sei ein starkes Zeichen für die Innovationskraft der Region, finden Christof Klöpper und Domenico Scala. Der CEO und der Präsident von Basel Area Business & Innovation sehen jedoch auch Herausforderungen auf die Region zukommen.

Die Schweizer Wirtschaft ist trotz Corona auch im vergangenen Jahr überdurchschnittlich gewachsen. Welchen Anteil hat die Basel Area am wirtschaftlichen Erfolg der Schweiz?

Domenico Scala: Der Gesundheitsbereich spielt bei dieser Entwicklung eine grosse Rolle. Der Anteil der Pharmaindustrie und der Biotechbranche an der Schweizer Wirtschaftsleistung liegt bei 5,4 Prozent – damit ist er im Vergleich zu anderen Ländern überdurchschnittlich hoch. Weil die Basel Area ein starker Standort für die Life Sciences ist, waren wir auch in der Krise hervorragend positioniert. Hier ansässige Firmen leisten zudem einen Beitrag zur Bewältigung der pandemiebedingten Probleme – weltweit. Die Wirtschaft und die politische Stabilität in der Region haben dazu geführt, dass sich die Basel Area während der Krise sehr gut entwickelt hat und möglicherweise sogar gestärkt aus ihr hervorgeht.

Christof Klöpper: Diese Entwicklung bestärkt uns, denn sie zeigt sehr deutlich, dass die Basel Area als Wirtschaftsstandort ungebrochen attraktiv ist. Wir haben im vergangenen Jahr 39 Firmen dabei begleitet, sich hier anzusiedeln. Davon sind 28 in den Life Sciences aktiv, und von diesen wiederum sieben im Bereich digitale Gesundheit. Zudem haben fünf Betriebe im Bereich Produktion und Engineering in der Basel Area den Betrieb aufgenommen. Dazu kommen 76 Startups, die wir bei der Unternehmensgründung unterstützt haben.

Können wir davon ausgehen, dass es so weitergeht?

Scala: Die Ausgangslage, die demografische Entwicklung und die Rahmenbedingungen sind gut, und weil hier viele Unternehmen im Gesundheitsbereich tätig sind, bin ich überzeugt, dass die Entwicklung positiv bleiben wird. Aber von nichts kommt nichts. Wir müssen weiter auf Innovationen setzen, denn nur mit Innovationen sichern wir unseren Wohlstand. Für Basel Area Business & Innovation bedeutet das weiterhin, auf die Innovationsförderung zu setzen und das Ökosystem weiterzuentwickeln.

Unternehmen und Start-ups fragen sich: Wo sind meine potenziellen Partner und wie kann ich mit ihnen in Kontakt treten?

Christof KlöpperCEO Basel Area Business & Innovation

Klöpper: Eines unserer Kernthemen ist die digitale Gesundheit, deren Weiterentwicklung und Verankerung in der Region wir mit unserer Initiative DayOne fördern. Damit stärken wir das Ökosystem – und das spielt eine zentrale Rolle für die Zukunft des Standorts: Wir sehen, dass Firmen und Startups nicht mehr zuerst nach Büroflächen, Steuersätzen und Finanzierungsmöglichkeiten fragen. Sie fragen: Wo sind meine potenziellen Partner und wie komme ich mit ihnen in Kontakt? Das Ökosystem wird als Standortfaktor immer wichtiger. Das beschert der Region Möglichkeiten, attraktive Firmen anzuziehen. Aber genauso können wir auch verlieren, wenn Firmen hier nicht die Partner finden, die sie sich wünschen.

Ein anderer Pluspunkt des Standorts Basel Area ist die Planungssicherheit: Während der Pandemie konnten sich Firmen jederzeit an die Behörden unserer drei Trägerkantone und an uns wenden und wussten so immer, woran sie waren. Es ist nicht zuletzt den in der Schweiz sehr massvollen Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens zu verdanken, dass die Investitionen auch während der Pandemie beachtlich waren.

Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erfolgsfaktoren für die Zukunft?

Klöpper: Das sind nicht zuletzt die vielen Firmen vor Ort, denen es gelingt, sich konstant weiterzuentwickeln und die sich dank ihrer hervorragenden Innovationskraft neue Geschäftsfelder erschliessen. Beispielsweise wagen Firmen, die in der Produktionsautomatisation spezialisiert sind, den Schritt in die Gesundheitsrobotik und tragen ihr Know-how in die Chirurgie. Überall in der Basel Area sehen wir immer häufiger, wie die Transformation von der reinen Fertigung zur Digitalisierung gelingt und wie die Firmen dabei von den Synergien profitieren, die sich aus dem Cluster ergeben.

Scala: Die Region wird Erfolg haben, wenn sich viele Player mit ihrem Engagement und ihrer Expertise einbringen, um den Cluster zu stärken. Zu diesem zählen Firmen und Startups, aber auch Technologie- und Innovationsparks, Stiftungen, Hochschulen und die vielen weiteren exzellenten Forschungseinrichtungen. Deshalb legen wir grossen Wert darauf, mit den genannten Akteuren einen engen Austausch zu pflegen und sind dankbar für die gute Zusammenarbeit.

Die Life Sciences spielen für die Basel Area traditionell eine zentrale Rolle. Welche anderen Bereiche könnten die Zukunft der Region prägen?

Klöpper: Die Life Sciences bilden den Kern des Clusters, aus dem vieles anderes hervorgeht. Die Digitalisierung sorgt dafür, dass Technologie und Gesundheit stärker miteinander verschmelzen – Stichwort: digitale Gesundheit. Ich spreche nicht nur von Apps fürs Smartphone, sondern von Algorithmen, die in der Medikamentenentwicklung und in der Forschung angewandt werden. Dazu kommen die Präzisionsmechanik, der Bereich Medtech sowie neue Materialien. Diese Bereiche werden wachsen und den Cluster insgesamt stärken.

Welche Herausforderungen kommen mit der rasanten Entwicklung der digitalen Gesundheit auf uns zu?

Scala: Der Datenschutz spielt eine zentrale Rolle. Die Industrie muss erstens besser erklären, wie sie die De-Identifizierung persönlicher Daten umsetzen will und welche Schutzvorkehrungen sie trifft. Zweitens muss sie Überzeugungsarbeit leisten, um die Datenlieferanten wie Spitäler und Patienten an Bord zu holen. Wenn mir mein Arzt sagt, dass ich mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit im Alter an Demenz erkranken werde, hilft mir das als Patient nicht weiter. Und wenn meine Krankenversicherung das erfährt, kann es sogar zum Problem werden. Gerade im Gesundheitsbereich ist Vertrauen ein kaum zu überschätzender Wert.

Gerade im Gesundheitsbereich ist Vertrauen ein kaum zu überschätzender Wert.

Domenico ScalaPräsident Basel Area Business & Innovation

Klöpper: Für die Basel Area sehe ich die Herausforderung in der Ausbildung von Fachleuten für die Digitalisierung der Industrie. Hier haben die Region und die hiesigen Hochschulen noch Nachholbedarf.

Mit welchen Themen werden Sie sich im nächsten Jahr vorrangig beschäftigen?

Scala: In der Basel Area haben wir schon immer mit der ganzen Welt gehandelt. Und wenn wir heute sehen, wer hier Firmen gründet, zeigt sich, wie international die Liste der Firmengründerinnen und -gründer ist. Nehmen Sie die Clozels, die aus Frankreich stammen und hier erst Actelion und dann Idorsia gegründet haben. Wir müssen als Region attraktiv bleiben, damit solche Leute weiter zu uns kommen. Ich setze mich für eine weltoffene Region ein.

Klöpper: Das Interesse am Standort Basel Area und an unseren Dienstleistungen ist deutlich gestiegen. Aber dies führt nicht automatisch zu mehr Firmenansiedlungen und -gründungen. Interesse ist das eine, die finale Entscheidung das andere. Hier setzen wir an mit unserer Überzeugungsarbeit. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Unsere Initiative im Bereich digitale Gesundheit, DayOne, hat Fahrt aufgenommen, was zu mehr Firmengründungen in diesem Bereich geführt hat. Wir legen uns ins Zeug, um diesen Trend zu verstärken.

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