Von der Idee zur Investition: Wichtige rechtliche Schritte für Startup-Gründer

Die meisten Gründerinnen und Gründer begeben sich auf die unternehmerische Reise, weil sie sich für die Lösung von Problemen, die Weiterentwicklung von Technologien oder die Markteinführung innovativer Produkte begeistern. Rechtliche Rahmenbedingungen mögen sich wie eine Ablenkung von der «eigentlichen Arbeit» anfühlen. Doch die Entscheidungen, die Gründerinnen und Gründer zu Beginn treffen, bestimmen oft, wie leicht sie Mitgründer gewinnen, erste Teammitglieder einstellen, Investitionen sichern und zukünftige Konflikte vermeiden.

Bei unserem ersten Co-Founder Matchmaking Event haben Alexander Gutmans und Christoph Burckhardt von der Schweizer Anwaltskanzlei Walder Wyss ihre Erfahrungen aus der Beratung von Gründerinnen und Gründern in Dutzenden von Finanzierungs- und Exit-Runden geteilt. Beide sind in Basel ansässig, auf Start-ups spezialisiert und beide verbringen einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit damit, junge Unternehmen von der Gründung bis zur Finanzierung und im besten Fall bis zum Exit zu begleiten.

Ihre Botschaft an die Gründerinnen und Gründer ist einfach: Denke an rechtliche Themen als an eine Reise in Etappen und nicht als an eine einmalige Aufgabe. Im Folgenden findest du einen praktischen Überblick über die wichtigsten rechtlichen Grundlagen, die Gründerinnen und Gründer kennen sollten, wenn sie ein Startup aufbauen, Mitgründer einbinden, die ersten Teammitglieder einstellen oder sich auf eine Investition vorbereiten.

Gehe rechtliche Angelegenheiten als eine Reihe von Meilensteinen an

Anstatt «rechtlich» als einen einzigen Punkt zu betrachten, den du abhaken musst, ist es hilfreich, dir die rechtliche Entwicklung deines Startups als eine Strasse mit vielen Kurven und Steigungen vorzustellen oder als eine Reihe von Meilensteinen:

  • Gründung von Unternehmen und anfängliche Strukturierung der Aktionärsbasis
  • Erstellung von Aktionärsvereinbarungen, einschliesslich der Festlegung von Übertragungsbestimmungen
  • Klärung der Eigentumsverhältnisse und Lizenzvereinbarungen im Hinblick auf geistiges Eigentum
  • Etablierung von Frühfinanzierungsmechanismen (wie z. B. wandelbare Darlehen oder Kapitalerhöhungen)
  • Navigation durch nachfolgende Finanzierungsrunden und mögliche Exit-Szenarien

Du musst nicht alles auf einmal lösen. Aber du musst dir bewusst sein, welche Meilensteine wann anstehen und wo du mit grosser Wahrscheinlichkeit einen Anwalt brauchst.

Schütze das Gründerkapital durch Reverse Vesting

Eigenkapital ist einer der stärksten Anreize, die du als Gründer hast. Gleichzeitig ist es eine der häufigsten Konfliktquellen.

Christoph empfiehlt, dass du dir als Gründer / -in von Anfang an gut überlegst, wer Eigenkapital hält und unter welchen Bedingungen. Was passiert mit den Anteilen eines Gründers, einer Gründerin, wenn einer der Gründer/-innen das Unternehmen frühzeitig verlässt? Oder was, wenn nach der Gründung ein neuer Mitgründer oder eine neue Mitgründerin hinzukommt?

Hier kommt das sogenannte Reverse Vesting (auch Gründer-Vesting genannt) ins Spiel. Anstatt von Anfang an grosse Eigenkapitalanteile zu verpfänden, können sich die Gründer/-innen darauf einigen, dass sie sich ihre Anteile über die Zeit hinweg verdienen – typischerweise über vier Jahre mit einer Einjahres-Cliff. Verlässt ein Gründer oder eine Gründerin das Unternehmen frühzeitig, können seine Anteile teilweise zurückgekauft und neu verteilt werden.

“Was du in deinem Gesellschaftsvertrag haben möchtest, ist ein sogenannter Reverse-Vesting-Mechanismus für Gründeranteile. Das heisst, die Gründer sind von Anfang an Eigentümer ihres Eigenkapitals, müssen sich aber über die Zeit das Recht erarbeiten, die Anteile zu behalten.”

Das Reverse Vesting ist kein Zeichen von Misstrauen. Es ist ein Signal, dass du Fairness und langfristiges Engagement ernst nimmst. Genau das wollen zukünftige Investoren sehen.

Die Aufteilung der Gründeranteile ist jedoch nur ein Teil der Diskussion. Mitgründer sollten sich auch darüber einigen, wer welche Verantwortlichkeiten übernimmt, wie wichtige Entscheidungen getroffen werden und was passiert, wenn keine Einigung erzielt werden kann. Das ist besonders in einem Zwei-Gründer-Setup wichtig, da ein Patt den Fortschritt genau dann verlangsamen oder sogar zum Stillstand bringen kann, wenn schnelle Entscheidungen entscheidend sind.

Eine mündliche Verständigung allein reicht nicht aus. Wenn Absprachen Rollen, Beteiligungsverhältnisse, geistiges Eigentum, Entscheidungsprozesse oder zukünftige Finanzierungsrunden betreffen, sollten sie schriftlich festgehalten werden. Eine klare Gesellschaftervereinbarung schafft eine gemeinsame Grundlage und dient als Orientierung, bevor schwierige Fragen zu persönlichen Konflikten werden.

Bei Startups mit Hochschulbezug können Fragen zur Beteiligungsstruktur besonders komplex sein. Professorinnen und Professoren, Studierende, eine zukünftige Geschäftsführung oder die ersten Mitarbeitenden leisten oft sehr unterschiedliche Beiträge. Ein sinnvoller Ausgangspunkt besteht darin, bereits geleistete Beiträge von der zukünftigen Verpflichtung zum Unternehmen zu unterscheiden. Investoren achten genau darauf, ob die Personen, die das Unternehmen langfristig vorantreiben sollen, ausreichend beteiligt sind, um dauerhaft motiviert zu bleiben.

Sichere dir von Anfang an das geistige Eigentum, die Lizenzrechte und das Know-how

Für viele Startups, insbesondere in den Bereichen Biotechnologie, Medizintechnik und Deeptech, ist geistiges Eigentum (IP) der wertvollste Vermögenswert.

Christophs Rat ist eindeutig: Lass die Frage der IP-Eigentumsrechte nicht im Unklaren oder «für später offen» stehen. Ab dem Zeitpunkt der Gründung solltest du dir folgende Fragen stellen:

  • Wer hat das IP entwickelt – du persönlich, deine Mitarbeiter, Mitgründer/-in oder ein Universitätslabor?
  • Ist das IP vollständig im Besitz des Unternehmens oder erhält es eine Lizenz zur Nutzung?
  • Wenn es eine Lizenz gibt, was sind die wichtigsten Bedingungen (Exklusivität, Territorium, Unterlizenzierungsrechte, Laufzeit, Lizenzgebühren)?

Das ist besonders wichtig, wenn deine Technologie an einer Universität entstanden ist. Wie Alexander im Rahmen der Q&A-Session anmerkte, wollen Universitäten heutzutage in der Regel die Rechte an ihrer IP behalten und Lizenzen vergeben, anstatt die volle Eigentümerschaft an das Startup zu übertragen.

Das ist nicht unbedingt ein Problem – aber es muss richtig gehandhabt werden, denn:

  • Investoren werden deine IP-Rechte genau unter die Lupe nehmen.
  • Schwache oder unklare IP-Rechte können Finanzierungsrunden verzögern oder verhindern.
  • Verhandlungen mit Universitäten können Zeit in Anspruch nehmen; wenn du früh anfängst, vermeidest du spätere Engpässe.

Geistiges Eigentum geht über Patente hinaus. Gründer sollten sicherstellen, dass Arbeitsverträge, Gesellschaftervereinbarungen und Geheimhaltungsvereinbarungen klarstellen, dass das Unternehmen das Know-how besitzt oder nutzen darf, das es benötigt. Das beinhaltet auch die Klärung, was mit dem Know-how passiert, das von Mitarbeitern oder Mitgründern während der Laufzeit des Unternehmens entwickelt wurde.

Fazit: Stelle sicher, dass dein geistiges Eigentum, dein Know-how und deine Lizenzrechte ordnungsgemäss dokumentiert sind und mit den Wachstumsplänen deines Unternehmens übereinstimmen, bevor du ernsthafte Gespräche mit Investoren aufnimmst.

Sei vorsichtig, wenn du dein erstes Team zusammenstells

Startups können mit den Gehältern etablierter Unternehmen oft nicht mithalten. Beteiligungsprogramme für Mitarbeitende sind deshalb ein wichtiges Instrument, um die ersten Mitarbeitenden oder frühe Teammitglieder zu gewinnen und langfristig an das Unternehmen zu binden.

Mitarbeiterbeteiligungsprogramme können unterschiedlich ausgestaltet sein. Manche Unternehmen gewähren Optionen, die Mitarbeitenden das Recht einräumen, über einen bestimmten Zeitraum Unternehmensanteile zu erwerben. Andere übertragen Anteile direkt, die meist jedoch an Bedingungen geknüpft sind. In beiden Fällen sollte die Struktur einen echten Anreiz schaffen, zum langfristigen Wachstum des Unternehmens beizutragen, und nicht lediglich einen einmaligen Vorteil bieten, der sich von der zukünftigen Leistung entkoppelt.

Bevor Zusagen gemacht werden, sollten Gründerinnen und Gründer auch die steuerlichen Auswirkungen prüfen. Beteiligungen können für Mitarbeitende attraktiv sein – allerdings nur, wenn die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen klar geregelt sind und nachvollziehbar ist, welche Ansprüche bestehen und wann diese gegebenenfalls steuerpflichtig werden. Deshalb sollten rechtliche und steuerliche Beratung in diesem Bereich eng aufeinander abgestimmt sein.

Wähle das richtige Finanzierungsinstrument, bevor du einen Business Angel an Bord holst

Sobald das Unternehmen gegründet und die grundlegenden Vereinbarungen getroffen sind, stehen die meisten wachstumsorientierten Startups vor einer weiteren Herausforderung: Wie können sie Labore, Mitarbeiter und Infrastruktur finanzieren?

Christoph zeigt dir zwei Finanzierungsoptionen, die viele Gründer und Gründerinnen frühzeitig in Betracht ziehen und die die Eigenkapitalbasis aufzehren:

  1. Wandelanleihe (Convertible Note): Diese Option ist sinnvoll, wenn du schnell Geld benötigst oder wenn die Bewertung deines Unternehmens in einem frühen Stadium schwierig ist. Du erhältst eine Anleihe, die sich bei einer späteren Finanzierungsrunde in Eigenkapital umwandelt, in der Regel mit einem Abschlag. Das bietet dir Schnelligkeit und Flexibilität und du kannst die Bewertungsaushandlungen verschieben. Gründerinnen und Gründer sollten der Bewertungsobergrenze (Valuation Cap) und dem Discount besondere Aufmerksamkeit schenken, da diese Bedingungen bestimmen, wie viele Unternehmensanteile der Investor bei der Umwandlung des Darlehens erhält.
  2. Eigenkapitalfinanzierungsrunde: Investoren, die das Unternehmen sofort finanzieren, erhalten dafür Anteile. Eine Eigenkapitalfinanzierungsrunde ist eher geeignet, wenn du bereits über solide Daten und Erfolge verfügst und eine solide Bewertung vorweisen kannst. Du musst dich zwar im Vorfeld mehr mit den Investoren auseinandersetzen, aber du erhältst dafür eine klarere Eigentümerstruktur und eine frühere klare Ausrichtung der Investoren.

Bevor Business-Angel-Investitionen angenommen werden, sollten Gründerinnen und Gründer auch das Term Sheet sorgfältig prüfen. Zwar sind einzelne Bestimmungen rechtlich nicht immer vollständig verbindlich, doch sobald ein Term Sheet vereinbart ist, lässt sich die wirtschaftliche Grundlage später oft nur schwer nachverhandeln. Eine frühzeitige rechtliche Beratung kann dabei helfen, Regelungen zu vermeiden, die den Handlungsspielraum in der nächsten Finanzierungsrunde unnötig einschränken.

Egal, welchen Weg du wählst, Christophs wichtigste Botschaften sind:

  • Erstelle für die nächsten 12 bis 24 Monate deines Unternehmens ein realistisches Budget.
  • Mach dich mit den Mechanismen und Auswirkungen der einzelnen Finanzierungsinstrumente vertraut.
  • Führe frühzeitig Gespräche, vor allem in kapitalintensiven Branchen, denn es braucht Zeit, bis du von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Auszahlung des Geldes kommst.
  • Soweit möglich, sollten Gründerinnen und Gründer zunächst Substanz schaffen, bevor sie in Verhandlungen eintreten. Je mehr belastbare Nachweise sie vorlegen können, etwa Patente, Daten, erste Kundenerfolge oder andere glaubwürdige Meilensteine, desto stärker ist ihre Verhandlungsposition in Finanzierungsgesprächen in der Regel.

Investoren sind es gewohnt, sowohl Wandelverbindlichkeiten als auch Early-Equity-Runden zu sehen. Am wichtigsten ist, dass deine Struktur für deine Phase Sinn macht und du als Gründer/-in verstehst, was du unterschreibst.

Behandle deinen Rechtsberater als strategischen Partner

Für viele Gründer/-innen sind Anwälte ein notwendiges Übel: teuer, langsam und eher auf Risiken als auf Chancen fokussiert. Alexander räumt ein, dass diese Sichtweise – und die Tatsache, dass Startups oft nur über ein knappes Budget verfügen – durchaus zutreffen kann. Seine Erfahrung zeigt jedoch, dass es sich in der Regel auszahlt, frühzeitig einen Anwalt zu konsultieren, anstatt später versuchen zu müssen, Probleme zu beheben.

Für Gründer/-innen heisst das nicht, dass sie jede Entscheidung juristisch abklären müssen, sondern dass es sinnvoll ist, sich:

  • einen vertrauenswürdigen Ansprechpartner haben, den sie kontaktieren können, wenn sich auf ihrer Reise ein neuer «Hindernispunkt» auftut, und
  • ihn einbeziehen, bevor sie etwas unterschreiben, das langfristige Auswirkungen auf deine Kapitalstruktur, dein geistiges Eigentum oder deine Unternehmensführung haben könnte.

Benötigen Sie Rechtsdienstleistungen für Ihr startup?

In der Basel Area können Startups über unser VentureConnect-Programm über Gutscheine auf Rechtsdienstleistungen zugreifen – eine praktische Möglichkeit, um die ersten rechtlichen Schritte weniger risikoreich zu gestalten.

Zwei Fachpersonen im Gespräch an einem Tisch über Medienthemen in einem geschäftlichen Umfeld im Raum Basel

Dein Startup auf solider rechtlicher Grundlage aufbauen

Keiner der Gründer/-innen hat je gesagt, dass es seine Lieblingsbeschäftigung sei, die Aktionärsvereinbarungen zu lesen. Aber wenn du möchtest, dass dein Startup investierbar und widerstandsfähig ist, sind die rechtlichen Grundlagen genauso wichtig wie deine Technologie und deine Strategie für den Markteintritt.

Es hilft, rechtliche Themen als einen schrittweisen Prozess zu verstehen. So lässt sich besser priorisieren, welche Themen zu welchem Zeitpunkt angegangen werden sollten – von der Gründung und dem Founder Vesting über den Schutz des geistigen Eigentums und die Einstellung der ersten Mitarbeitenden bis hin zur Aufnahme von Business Angels und weiteren Finanzierungsrunden. Wer Rechtsberater dabei als langfristige Partner und nicht erst als Problemlöser in letzter Minute einbezieht, kann Zeit, Unternehmensanteile und unnötigen Stress sparen.

Möchtest du mehr über die rechtlichen Grundlagen für Startups erfahren?

Wenn du in der Basel Area ein Startup gründest und mehr über Themen wie die Beziehung zu deinem Co-Founder, rechtliche Grundlagen oder Finanzierungsmöglichkeiten erfahren möchtest, hilft es dir, von Experten zu lernen und dich mit anderen zu vernetzen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.

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Über die Experten

Alexander Gutmans und Christoph Burckhardt sind bei Walder Wyss AG, einer der führenden Anwaltskanzleien der Schweiz, auf Startups spezialisierte Anwälte mit Sitz in Basel. Mit ihrer umfassenden Erfahrung in der Beratung von Gründern bei der Gründung, Finanzierungsrunden und Exits unterstützen sie junge Unternehmen dabei, eine solide rechtliche Grundlage für langfristiges Wachstum zu schaffen. Ihre Tätigkeit verbindet pragmatische, unternehmerisch orientierte Rechtsberatung mit einem tiefen Verständnis für die Herausforderungen, denen sich Teams in der Frühphase gegenübersehen.

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